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17-12-08

Landet Friedrichsruh auf dem Abstellgleis

 


Ernste Gesichter bei der Podiumsdiskussion: Dr. Andreas von Seggern, Otto-von-Bismarck-Stiftung (li.), und Wolfgang Seyb von der LVS

Wer in Friedrichsruh lebt oder arbeitet und kein eigenes Auto besitzt, sieht sich ab Mitte Dezember großen Problemen ausgesetzt, denn es sollen weitere, wesentliche Zugverbindungen gestrichen werden. Von den schwach ausgelasteten Regionalbahnen werden ab dem 14. Dezember auf der Strecke Aumühle – Büchen sieben von bisher 18 Zugpaaren wegfallen. Gegen diese Entscheidung regt sich Protest bei den Anwohnern und den Berufspendlern. Deshalb fand auf Initiative von Reinhard Weule, Friedrichsruher und Bahnfahrer, Ende November eine Podiumsdiskussion statt, an der neben den Betroffenen auch Wolfgang Seyb, Abteilungsleiter Verkehrswirtschaft bei der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft mbH (LVS S-H) teilnahm. Er signalisierte zwar Verständnis für die Situation der Berufspendler und Anwohner, machte aber klar, dass die Zugstreichungen kommen werden. Grund sei eine Kürzung der Regionalisierungsmittel um rund zehn Prozent. Eine der landesweit betroffenen Strecken ist die Verbindung von Aumühle nach Büchen, hier werden 77.000 Bahnkilometer eingespart. Ein Blick auf die Fahrgastzahlen machte deutlich, warum Friedrichsruh zu den Verlierern gehört: zu bestimmten Zeiten gibt es nur einzelne Ein- und Aussteiger, die den Bahnhof nutzen. Zu den betroffenen Pendlern gehören neben Mitarbeitern der von Bismarckschen Verwaltung auch die Historiker in der Bismarckstiftung. Dr. Andreas von Seggern appellierte an Seyb, den hohen Stellenwert der Stiftung als historisch-politische Bildungsstätte im Blick zu behalten. Nach Besuchen von Ministerin Ute Erdsiek-Rave und Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen in diesem Jahr machte von Seggern klar, dass er den direkten Draht nach Kiel nutzen werde, um zu erreichen, dass es nicht zu den geplanten Zugstreichungen kommt. »Ich hoffe, der Zug ist noch nicht abgefahren«, wandte sich der Historiker an Seyb. Auch dessen Ankündigung, im kommenden Jahr neue, moderne Züge auf der Strecke einzusetzen, war kein Trost für die Betroffenen: »Dann lieber eine Draisine, die fährt, als ein neuer Zug, der hier nicht hält«, kam ein Kommentar aus dem Publikum.

Größtes Problem für die Pendler ist die geplante Streichung der Züge zwischen 14 und 19 Uhr. Wer in dieser Zeit von Friedrichsruh nach Büchen und weiter fahren möchte, muss den Umweg über Aumühle und Bergedorf nehmen. Das bedeutet nicht nur einen erheblichen Zeitaufwand, sondern auch Mehrkosten, da eine Tarifgrenze überschritten wird. Ein Lösungsvorschlag von Reinhard Weule war die Bitte, den Regionalexpress wieder in Friedrichsruh halten zu lassen. Das ist nicht mehr möglich, weil die Züge aufgrund der hohen Auslastung um einen Wagen verlängert wurden, der Bahnsteig für die langen Züge aber zu kurz ist. Einziges Zugeständnis an die Bahnfahrer ist, eine der ursprünglich gestrichenen Verbindungen jetzt doch zu erhalten, damit auch künftig vor allem Schülern aus Schwarzenbek um 15.12 Uhr die Heimfahrt nach Büchen möglich ist. Davon profitieren die Friedrichsruher allerdings nicht.



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