07-03-09
Warnstreik vor Norddeutscher Teppichfabrik
Geesthacht (ok) - »Viele Arbeitgeber leiden offenbar an der Porzellan-Krankheit: Sie haben nicht alle Tassen im Schrank.« Milos Lazic, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender der Norddeutschen Teppichfabrik, brachte am Mittwochvormittag während eines Warnstreiks vor dem Werkstor des Unternehmens an der Düneberger Straße auf den Punkt, wofür alle drei Schichten am Mittwoch jeweils zwei Stunden der Arbeit fernbleiben wollten: »Wir brauchen keine Fastenspeise, sondern kräftige Entgelterhöhungen!«
5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die nächsten 12 Monate fordert die IG Metall für die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie.
Wenn Deutsche protestieren, ist das ungefähr so, als wenn sich Südländer nach Feierabend fröhlich zusammensetzen: Streusel- und Butterkuchen, dazu Kaffee. »Wenn die Arbeitgeber auf unsere Forderungen während der Gespräche am kommenden Montag nicht eingehen, machen wir weiter«, sagte Peter Wolf, Mitglied der Tarifkommission der IG Metall. Er habe in den Gesprächen das Gefühl, »Herrenmenschen« gegenüberzusitzen. Wolf: »Es ist eine Riesensauerei, dass – wenn es nach den Vorstellungen der Arbeitgeber geht – die Textilarbeiter in den kommenden 24 Monaten null Euro mehr bekommen sollen.
»Was ist in diesem Land los?«, rief Betriebsratsvorsitzender Lazic den Arbeitern der Frühschicht zu. »Während Volksvermögen vernichtet wird, verliert eine Kassierin, die 1,30 Euro veruntreut hat, nach 30 Jahren ihre Arbeit.«
Meike Lüdemann, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bergedorf: »Die Wirtschaftskrise ist auch in unserer Region angekommen. Im Januar haben 565 Betriebe in Schleswig-Holstein für 7.900 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Das ist dreimal soviel, wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres«. Und fragte: »Was brauchen wir also? Mehr Menschen, die die Binnennachfrage ankurbeln können.«
Verhaltenes Gelächter, als die Streikenden hören mussten, das die Geschäftsführung die Polizei gebeten habe, darauf Einfluss zu nehmen, dass während der Aktion vor dem Werkstor keine der lilafarbenen Krokusse auf der Wiese vor dem Unternehmen zertreten werden. Mehr kann man Beschäftigte kaum verhöhnen.