12-03-09
Kriminalstatistik im Kreis Herzogtum Lauenburg
Höchste Aufklärungsquote
Ratzeburg (ok) - Noch nie hat die Polizei im Kreis Herzogtum Lauenburg in einem Jahr so viele Fälle aufgeklärt: »Unsere Aufklärungsquote beträgt 51,3 Prozent«, sagte Bernd Koop, Leiter der Kriminalpolizeistelle Ratzeburg. Koop, der die Kriminalpolizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2008 vorstellte: »Gleichzeitig haben wir mit 5.226 Personen die höchste Zahl je ermittelter Tatverdächtiger im Herzogtum Lauenburg.«
Einen Rückgang der Gesamtkriminalität um 4,8 Prozent, das sind 682 Fälle weniger, konnte Koop auf der Pressekonferenz verkünden. Zahlen, mit denen der Kreis in Schleswig-Holstein gut dasteht. Doch Vorsicht: Nur wenige Stunden, nachdem Koop die Zahlen verkündet hatte, verletzten Chaoten im Zusammenhang mit einem Fußballspiel im nahen Hamburg einen 23-jährigen Polizisten aus Schleswig-Holstein schwer. Und gleichzeitig brannte im nahen Boizenburg – wie in den vergangenen Monaten bei Großbränden in der Elbestadt so oft »aus unbekannten Gründen« – eine Lagerhalle vollständig nieder. Schaden: etwa 150.000 Euro. Brandstifter haben hier inzwischen sehr
hohe Sachschäden verursacht. Das Herzogtum Lauenburg ist da gegenwärtig nur eine Insel.
Doch auch auf dieser Insel nimmt der Betrug immer weiter zu. »Betrug ist ein Schwergewicht in unserer Ermittlungsarbeit«, sagt der Kripobeamte. Besonders die Computerkriminalität mache der Polizei zu schaffen. Unter den Begriff Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen beispielsweise all die Taten, die besonders die »dynamischen, freundlichen Damen und Herren« per Computer, am Telefon oder bei Haustürgeschäften abwickeln. Und auf die immer mehr Menschen hereinfallen. Gegenüber dem Jahr 2007 stieg die Zahl dieser Delikte um 13,1 Prozent und damit um 204 angezeigte Fälle. Die Dunkelziffer wird ungleich größer sein.
»Durch die Computerkriminalität ist es nicht mehr erforderlich, in Wohnungen, Büros und Praxen einzubrechen«, sagt Koop. Doch noch gibt es Ganoven, die von diesem Handwerk nicht lassen können:
Die Zahl der Einbruchsdiebstähle aus Wohnungen, auch am Tage, stieg gegenüber dem Vorjahr um 24 auf 328 Fälle. Mit 37,3 Prozent nahmen Diebstähle ohnehin den weitaus größten Anteil in der Kriminalstatistik des Jahres 2008 ein.
122 Körperverletzungen weniger, einen Rückgang der Raubtaten um 31 Fälle: Bei den Rohheitsdelikten verzeichnete die Polizei im Herzogtum Lauenburg einen Rückgang um 5,5 Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei 88,6 Prozent.
Allerdings ist da auch diese Zahl: Seit dem Jahr 1999 mit 1.254 Rohheitsdelikten stieg die Zahl dieser Delikte in 2008 auf 1.971 Taten. Die Freude dürfte also nur verhalten sein. Rückgang der Gewalttaten. Bei der Gewaltkriminalität verzeichnete die Polizei im Kreis für das vergangene Jahr einen Rückgang um 15,7 Prozent. Sieben Tötungsdelikte, 28 Vergewaltigungen, 91 Raubtaten und 315 gefährliche/schwere Körperverletzungen: Besonders erfreut sind die Beamten darüber, dass die Zahl jugendlicher Täter wenigsten statistisch abgenommen hat.
Denn an der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen beträgt die Zahl der unter 21-Jährigen 29,8 Prozent. Ältere Menschen könnten sich - entgegen landläufiger Meinung - im Herzogtum Lauenburg recht sicher bewegen, ist sich die Führung der Polizeidirektion Ratzeburg einig.
Immerhin habe es im vergangenen Jahr im Kreis beispielsweise nur fünf Handtaschendiebstähle gegeben.
»Die Straftatenbelastung im Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg liegt unter dem Landesdurchschnitt«, sagt Behördenleiter Jürgen Anhalt. Ziel der Polizei sei es, das Risiko, bei Delikten wie Raub, Raub im öffentlichen Raum (»Abziehdelikte«) und Körperverletzungen Opfer zu werden, deutlich zu reduzieren.
Dafür allerdings sei eine enge Kooperation mit dem Kreis und den Gemeinden notwendig. Und auch die Schulen sollten die Angebote der Polizei zu einer Zusammenarbeit annehmen. Anhalt: »Im Rahmen unseres Sicherheitskonzeptes 2009 wollen wir an die Schulen gehen. Die Schulen müssen aber auch zu dieser Zusammenarbeit bereit sein«.
Da sich der Trend zu Tages-Wohnungseinbrüchen fortsetze, werde die Polizei ihre rechtliche Handhabe zu »zeitlich befristeten Kontrollmöglichkeiten nutzen«, so der Direktionsleiter. Zu diesen Möglichkeiten gehöre es, beispielsweise auch in den Kofferraum eines Fahrzeuges zu sehen, um so eventuell Diebesgut oder Einbruchswerkzeug aufzuspüren.
Denn, da ist sich die Führung der Direktion einig: Einbrüche in Wohnungen sind Straftaten, die den Intimbereich der Betroffenen wesentlich verletzten. Unabhängig von der Höhe des wirtschaftlichen Schadens.