31-08-09
Herrenhaus Gut Bliestorf
Ratzeburg (gak) – Ein bislang im Verborgenen schlummerndes Juwel ist das Gut Bliestorf mit seiner herrlichen Parkanlage. Spätestens nach dem »Tag des offenen Denkmals« am 13. September wird sich dies grundlegend ändern. »Historischer Ort des Genusses« ist das diesjährige Motto. Das zwischen Krummesse und Kastorf gelegene Gut versinnbildlicht alles, was man sich darunter vorstellt. Allein die Anfahrt nach Bliestorf, Hauptstraße 40, ist verzaubernd. Eine imposante jahrhundertealte Schwarzpappelallee, die einzige in Deutschland, geleitet den Besucher zum Gutshaus. Dort angekommen führt das bezaubernde Lächeln der Artemis zum Hauptportal. Aber wenn der Hausherr beide Flügeltüren dem Besucher weit öffnet, stockt einem der Atem. Schönheit und Klarheit stehen in starker Konkurrenz zu dem charmanten französischen Akzent von Thierry Cassegrain. Auf seine ganz eigene Art berichtet er lächelnd: »Das Herrenhaus wurde im Jahre 1843 von Freiherr von Schrader gebaut. Wir bewohnen es seit dem Frühjahr und haben schon viel geschafft.«
Wir, das sind Thierry und seine Frau Anke Siebel sowie die gemeinsamen vier Kinder, die fröhlich durch das Haus tollen. Der große Festraum, der seine Fenster einladend auf eine Terrasse zum Park öffnet, steht voller kleiner kulinarischer Köstlichkeiten und edlem Gestühl. Überall sind kostbare Dinge zu bewundern, eine Ahnengalerie, handgeschnitzte Möbel aus allen Teilen der Welt, insbesondere aus Afrika und Asien. Thierry Cassegrain hat in seinem bewegten Leben schon mehr als 70 Länder der Welt bereist und präsentiert im Herrenhaus eine faszinierende Sammlung. Ein Blick in das Trauzimmer begeistert ebenso wie die Einrichtung der Gästezimmer, die ausschauen wie vor hundert Jahren.
»Wir haben hier originale Möbelstücke, alte Betten, Spiegelkonsolen und Schränke, die wir selber liebevoll restaurieren«, berichtet der Hausherr, während der Blick des Besuchers auf einem Jugendstilleuchter ruht.
»Schauen Sie sich den Park an«, sagt der Hausherr und erzählt schmunzelnd von zwei alten Damen, die dort am Sonntag aufgeregt Rehe beobachteten. In der noch fertigzustellenden Bibliothek sind Originalschriften von Rudolf Steiner zu entdecken, vermutlich die größte historische Sammlung. Hier findet eine wunderbare Begegnung von Kunst, Kultur und Natur statt, ein wirklich historischer Ort des Genusses. Am 13. September wird eine zusätzliche Vortragsveranstaltung von Prof. Dr. Jörg Matthies über die Geschichte der Gutsgärten mit musikalischer Untermalung von 15 bis 17 Uhr stattfinden. Alle weiteren Informationen unter www.herrenhausgutbliestorf.de. Dies ist jedoch nur ein Höhepunkt des diesjährigen »Tag des offenen Denkmals«, alle weiteren Veranstaltungen und Details sind übersichtlich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de nachzulesen. Erwähnenswert auch unbedingt die archäologische Führung zu Denkmälern im Sachsenwald von Helmut Knust (Info unter ‧Telefon 04152–7 49 76), Treffpunkt um 11 Uhr beim »Riesenbett« am Sachsenwaldrand bei Dassendorf nahe dem Golfplatz. Diese Führung wird teils zu Fuß, teils mit dem Auto zurückgelegt und zeigt viele der über 1000 ‧vorhandenen archäologischen Denkmäler. Es werden unter anderem zwei jungsteinzeitliche Langbetten zu sehen sein und deren Sagen, die sich um »Riesen« ranken, wird Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein, Ortsgruppe Geesthacht, in seiner lebendigen Art erzählen.
Auch in diesem Jahr wird wieder eine 22 Kilometer lange Radtour von Christian Lopau (Tel. 0151-55 11 73 71) organisiert. Er führt die Radler zur Kirche in Berkenthin, zum beschriebenen Gut Bliestorf, zur Kornbrennerei Krummesse und andere historische Orte entlang der Route. Treffpunkt in Berkenthin an der Amtverwaltung, Am Schart 16. Bei beiden Veranstaltungen wird um telefonische Anmeldung aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl gebeten.
Der Bundespräsident Horst Köhler sagte in seinem Grußwort an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals: »Ich bin sicher, dass an diesem Tag des offenen Denkmals für jeden Geschmack etwas dabei sein wird.«