01-04-10
Nachwuchssorgen bei den Tischlern
Hamfelde (vd) – Sowohl die Zusammensetzung des Podiums als auch die fast vollständige Präsenz der 21 Mitgliedsbetriebe des Kreises spiegelte die Bedeutung der Jahreshauptversammlung der Tischlerinnung wider. Alle Redner packten in ihren Beiträgen das drängendste Thema an, nämlich die Sicherstellung eines gut ausgebildeten Nachwuchses. Innungsobermeister Walter Urbrock begrüßte als Gäste den neuen Landesinnungsmeister Heino Fischer, der einen Betrieb in Kiel führt, und seinen Vertreter, Julius Bendschneider, Kreishandwerksmeister Uwe Riewesell, gleichzeitig Obermeister der Baugewerbeinnung, und Matthias Links, stellvertretender Schulleiter des Regionalen Berufsbildungszentrums in Mölln und bislang zuständig für die berufliche Ausbildung der Tischler an der Schule. Andreas Spott, ebenfalls anwesend, folgte ihm vor kurzem als Fachlehrer nach.
Die Lage der Betriebe kommentierte Walter Urbrock in seinem Jahresbericht so: »Während die Finanzkrise im Herbst noch nicht beim Handwerk angekommen war, haben wir jetzt Lücken im Auftragsbestand.
Die Vorgewerke sind aufgrund des zähen Winters noch nicht so weit, dass wir tätig werden können. Ich bezweifle, dass wir den Rückstand aus den ersten drei Monaten im Laufe des Jahres aufholen können.«
Der zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein neu geschaffene Landesverband vertritt nunmehr die Interessen von etwa 550 Betrieben in beiden Bundesländern. Die Geschäftsstelle befindet sich jetzt nicht mehr in Kiel, sondern im näheren Hamburg. Heino Fischer freut sich auf das, was vor ihm liegt: »Es ist eine reizvolle Aufgabe, die Verbände zusammenzuführen. Eine tolle Sache, dass wir die Zusammenlegung geschafft haben.« Er spricht direkt die Probleme um den Nachwuchs an: »Die Qualität der Bewerber für eine Ausbildung geht nach unten. Wir sind ein kreatives modernes Gewerbe. Wir brauchen gute Leute.« Die Versorgung mit Nachwuchs kommentiert er aus eigener Erfahrung: »Die Zahl der Bewerber stürzt ab. Das erste Mal seit 20 Jahren habe ich um diese Zeit im Frühjahr noch keinen einzigen Bewerber.« Damit hat der Landesinnungsmeister den Startschuss für eine lebhafte Diskussion gegeben. Uwe Riewesell warnt davor, bei der Auswahl mindestens einen Realschulabschluss zu verlangen und die Schulnoten zu sehr in den Vordergrund zu stellen: »Qualifizierte Fachleute können wir nicht genug bekommen. Bildet aus! Auch der eine oder andere Schwächere kann sich entwickeln.« Julius Bendschneider gibt zu bedenken: »Unsere Tischler müssen die CAD (»Computer Aided Design«)-Technik beherrschen.« Mit Erstaunen hören Heino Fischer und Julius Bendschneider vom zusätzlichen Förderunterricht für Tischler an der Berufsschule in Mölln. An den Schulen in ihrer Region fällt häufiger Unterricht aus, an zusätzliche Stunden ist dort nicht zu denken. »Für das Tischlerhandwerk haben wir ein spezifisches pädagogisches Konzept«, erläutert Matthias Link
.
Geschäftsführerin Marion Fuchs bringt einen Vorschlag zur positiven Entscheidung, der die Betriebe, die keine Mitglieder sind, an den Kosten der Ausbildung beteiligt. Sie rechnet die Kosten der Lehrlingsausbildung vor, die der Innung im Einzelnen entstehen.
Die Versammlung beschließt eine Lehrlingsbetreuungsgebühr in Höhe von 120 Euro pro Jahr und Auszubildenden für Nichtmitgliedsbetriebe.